Modell und Datenquellen

In diesem Artikel erläutern wir die Berechnungsmethode für die CO2-Emissionen der Stromproduktion, die verwendeten Quellen sowie Details zur Climate-Hacks-Prognose.

Inhaltsverzeichnis

Betrachtete CO2-Emissionen

Die verschiedenen Stromerzeugungstechnologien wie Windkraftanlagen, Photovoltaik, Kohle- und Gas-Kraftwerke etc. haben unterschiedliche spezifische CO2-Emissionen. Korrekterweise müsste es CO2-äquivalente Emissionen heißen, da bei der Verbrennung verschiedene Treibhausgase frei werden, die für die Klimaerwärmung relevant sind und deren Effekt in ein CO2-Äquivalent umgerechnet wird. Der Einfachheit halber bezeichnen wir die CO2-äquivalenten Emissionen auf dieser Seite nur als CO2-Emissionen.

Die CO2-Emissionen einer Technologie ergeben sich

Zudem nutzen Kraftwerke ihren Brennstoff unterschiedlich effizient: moderne Gas-und-Dampfturbinen-Kraftwerke zum Beispiel haben einen Wirkungsgrad von 55-60%, d.h. dass dieser Anteil der thermischen Energie, die bei der Verbrennung des Gases frei wird, in elektrische Energie umgesetzt wird. Es gibt beispielsweise auch Gaskraftwerke ohne Dampfturbine, diese haben dann einen geringeren Wirkungsgrad, es wird weniger elektrische Energie mit derselben Menge Gas erzeugt und somit mehr CO2 für eine produzierte kWh elektrische Energie freigesetzt.

Berechnung der CO2-Emissionen

Aus den Daten für die produzierte Strommenge einer Technologie sowie den spezifischen CO2-Emissionen der Technologien lassen sich die durchschnittlichen CO2-Emissionen der Stromproduktion zu einem Zeitpunkt bestimmen.

Für die historische Produktion pro Technologie und Region können die von SMARD.de [1] zur Verfügung gestellten Werte verwendet werden:

Abb.1 - Produktion nach Technologie am 4.2.2023, Quelle: SMARD.de [1]

Für die technologiespezifischen CO2-Emissionen pro kWh erzeugter Elektrizität verwenden wir (für Deutschland) die folgenden Werte:

Technologie gCO2-äquivalent / kWh
Solar35
Wind13
Biomasse230
Kohle1079
Gas530
Wasserkraft11
Pumpspeicher255
Öl885
Kernkraft5

Diese Werte stammen aus dem open-source Projekt electricitymaps [2] und werden aus verschiedenen Quellen generiert. Ursprünglich überwiegend aus dem IPCC Report 2014 [3], seit neuerem aus Berechnungen von öffentlich verfügbaren Daten zur Produktion pro Kraftwerk der europäischen Übertragungsnetzbetreiber [4] und den Daten der EU Kommission zum europäischen Emissionshandel (EU-ETS) [5]. Mit Daten zu den erworbenen Zertifikaten pro Kraftwerk sowie der Stromproduktion eines Kraftwerkes lassen sich daraus die spezifischen Emissionen bestimmen.

Aus den oben beschriebenen Daten lassen sich dann die durchschnittlichen CO2-Emissionen berechnen, das sieht zum Beispiel so aus:

Abb.2 - CO2-Emissionen am 4.2.2023, Berechnung von Climate Hacks

Die Climate-Hacks-CO2-Prognose

Die CO2-Emissions-Prognose basiert auf einem statistischen Modell. Für unsere CO2-Emissions-Prognose verwenden wir die Lastprognosen der Übertragungsnetzbetreiber [4] sowie Wetterdaten des DWD [6] aus denen wir eine Wind- und Solarproduktionsvorhersage erstellen. Zudem beinhaltet das Modell eine Vorhersage für die Produktion aus den übrigen Technologien. Für unsere Anwendung ist es wichtiger den relativen Verlauf (die Minima und Maxima) richtig zu erfassen, als die absolute Höhe der CO2-Emissionen, denn für die größte Einsparung ist es lediglich wichtig, den Verbrauch in den besten Zeitraum zu verschieben, nicht aber die absolute Höhe der Emissionen zu diesem Zeitpunkt.

Mit der Climate-Hacks-Prognose für die nächsten 24h lassen sich derzeit ca. 92% der maximal möglichen Einsparungen zwischen höchstem und niedrigstem 2-Stunden Zeitraum erreichen. Durch weitere Verbesserungen des Modells, möchten wir diesen Wert noch weiter erhöhen. Da sich das Wetter allerdings in einem Zeitraum von 24h noch signifikant verändern kann, bleibt eine gewisse Unsicherheit in der 24h-Prognose.

Strom-Produktion vs. Verbrauch

Grundsätzlich gilt für jedes Land: Produktion + Importe – Exporte = Verbrauch. D.h. für die CO2-Emissionen des Verbrauchs in Deutschland spielt es grundsätzlich auch eine Rolle welche CO2-Emissionen der importierte und exportierte Strom verursacht. Derzeit betrachten wir nur die Produktionsseite für die Darstellung der CO2-Emissionen. Da sowohl Last als auch Wetter stark über Länder hinweg korreliert sind, spielt der Effekt durch Im- und Exporte für die Bestimmung des Zeitraums mit den niedrigsten Emissionen allerdings nur eine untergeordnete Rolle.

Für Experten: marginale vs. durchschnittliche CO2-Emissionen

Nun ein etwas komplizierteres Thema: wieviel CO2 wird tatsächlich eingespart, wenn man den Verbrauch von einer Periode A in eine Periode B mit niedrigeren mittleren CO2-Emissionen verschiebt?

Nehmen wir an, dass mit steigender Residual-Last zunächst die Kraftwerke eingesetzt werden, die einen geringeren CO2-Ausstoß haben. Dies ist insofern nachvollziehbar, als dass innerhalb einer Technologie zuerst die effizientesten Kraftwerke eingesetzt werden, da diese weniger Brennstoff benötigen und somit günstiger produzieren können. Ein weiterer Preis-Effekt ist, dass diese Kraftwerke auch weniger CO2 Zertifikate beschaffen müssen, da durch die höhere Effizienz auch weniger CO2 pro erzeugte kWh Strom ausgestoßen wird.

Da der CO2-Preis inzwischen einen signifikanten Anteil der kurzfristigen Grenzkosten für die Stromproduktion eines Kraftwerks ausmacht, gilt dies darüber hinaus in der Regel auch über Technologien hinweg. Wir können also in der Regel davon ausgehen, dass in einer Periode mit niedrigerem mittleren CO2-Ausstoß auch das teuerste und somit ineffizienteste Kraftwerk in der Regel immer noch CO2-effizienter ist, als das teuerste und ineffizienteste Kraftwerk zu einem Zeitpunkt mit höherem durchschnittlichen CO2-Ausstoß.

Formal wird durch das Verschieben von Last aus Periode A in Periode B nun das ineffizienteste (das marginale) Kraftwerk in Periode A mit CO2-Emissionen von beispielsweise 1100 gCO2/kWh zuerst ausgeschaltet. Dafür muss das ineffizienteste (das marginale) Kraftwerk in Periode B mit beispielsweise 600 gCO2/kWh mehr Leistung erzeugen. D.h. das durch das Verschieben der Last von Periode A nach Periode B werden 500 gCO2 pro kWh Strom eingespart oder 45% auf die jeweils marginalen Kraftwerke gerechnet.

Nun gibt es eine Reihe von Gründen, warum die Realität komplizierter ist: Eine kurzfristig verschobene Last wird nicht unbedingt den Einsatz des marginalen Kraftwerkes verändern, denn diese wird meist durch Regelenergie oder sehr flexibel verfügbare Kraftwerke wie Gaskraftwerke oder Wasserkraft angepasst. Bei Betrachtung von Im- und Exporten wird die Lage noch komplizierter, da das marginale Kraftwerk im Ausland sein könnte, sekundäre Regelenergie derzeit aber überwiegend in der Regelzone abgerufen wird in der das Defizit oder der Überschuss verursacht werden. Unter anderem aus diesen Gründen sind die marginalen CO2-Emissionen daher nicht für uns als Signal geeignet und auch viel zu kompliziert und instabil zu berechnen.

Besser und einfacher ist es, sich die durchschnittlichen CO2-Emissionen anzusehen. Insbesondere der langfristige Effekt, Verbrauch planbar in Perioden mit hoher Solar- und Windproduktion und niedriger Last zu verschieben, wird dafür sorgen, dass die ineffizientesten Kraftwerke weniger oft am Netz sind.

Die durchschnittlichen CO2-Emissionen sind das richtige Signal

Aus folgenden Gründen ist es zielführend, den Verbrauch in Zeiträume mit niedrigem durchschnittlichen CO2-Ausstoß zu verschieben, anstatt die marginalen Kraftwerke zu betrachten:

Datenquellen und Referenzen

[1] Bundesnetzagentur | SMARD.de
[2] Open source emission factors from the electricitymaps project
[3] Schlömer S., T. Bruckner, L. Fulton, E. Hertwich, A. McKinnon, D. Perczyk, J. Roy, R. Schaeffer, R. Sims, P. Smith, and R. Wiser, 2014: Annex III: Technology-specific cost and performance parameters. In: Climate Change 2014: Mitigation of Climate Change. Contribution of Working Group III to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change [Edenhofer, O., R. Pichs-Madruga, Y. Sokona, E. Farahani, S. Kadner, K. Seyboth, A. Adler, I. Baum, S. Brunner, P.Eickemeier, B. Kriemann, J. Savolainen, S. Schlömer, C. von Stechow, T. Zwickel and J.C. Minx (eds.)]. Cambridge University Press, Cambridge, United Kingdom and New York, NY, USA
[4] ENTSO-E Transparenz Plattform: transparency.entsoe.eu
[5] Union Registry of EU Emission Trading System
[6] Deutscher Wetterdienst (DWD): opendata.dwd.de